Ich war krank und ihr habt mich besucht (Mt 25,36)von Dr. Gerd Kellner, AugsburgDie Sorge um die Kranken gehört zu den zentralen Aufgaben der Kirche. Sie zieht sich gleichsam wie ein roter Faden durch ihr soziales Wirken, ist aber auch stets eng mit der Verkündigung der Botschaft vom Reich Gottes verknüpft. Die Kirche kann sich dabei auf ihren Gründer Jesus Christus selbst berufen. Er widmete sich in besonderer Weise den Kranken und heilte viele, die an körperlichen und seelischen Krankheiten litten, wie z.B. die Schwiegermutter des Petrus (Markus 1,29 – 31) oder auch psychisch Kranke, wie z.B. die Heilung des Besessenen von Gerasa (Mk 5,1 – 20). Aber auch die Nachfolger Jesu, die Apostel, kümmern sich in besonderer Weise um die Kranken. So erfahren wir in der Apostelgeschichte (Apg 3, 1 – 10), dass die Jünger Jesu einen Gelähmten im Tempel heilen und andere Heilungswunder vollbringen. Die Sorge um die Kranken gehört zu den sieben Werken der Barmherzigkeit (Matthäus 25, 36) und zieht sich durch die gesamte Kirchengeschichte. Als Beispiel mag die hl. Elisabeth von Thüringen gelten, die sich im Mittelalter in besonderer Weise um Kranke und Arme kümmerte. Im nächsten Jahr feiert die Kirche ihren 800. Geburtstag. Noch heute gibt es viele Krankenhäuser und Hospize in kirchlicher Trägerschaft, Krankenseelsorge und Sterbebeistand gehören auch heute zu den wichtigsten Aufgaben von Priestern, Ordensleuten, Pastoralreferenten und Diakonen. Aufgaben der KrankenhausseelsorgeWas tun Krankenhausseelsorger konkret? Die zentrale Aufgabe der Krankenhausseelsorge ist der Besuch am Krankenbett. Im Gegensatz zu den medizinischen und pflegerischen Berufen, die heute im modernen Krankenhaus unter enormem Zeitdruck stehen, kann sich der Krankenhausseelsorger Zeit nehmen für die Erfahrungen des Kranken, und seinen Gefühlen, wie Sinnlosigkeit, Angst, Ohnmacht, Schuld, Aggressionen, Einsamkeit, Sterben, Tod, Raum geben. Dabei sollen aber nicht nur die belastenden Gefühle zum Ausdruck kommen, sondern das Gespräch bietet auch Raum für intensive Lebendigkeit, Hoffnung, Vertrauen und Liebe. Eine besondere Chance im Seelsorgegespräch am Krankenbett besteht darin, dass der Kranke seine persönliche Lebensgeschichte zu seinen religiösen Wurzeln in Beziehung bringen kann. Kranke Menschen können durch die Zuwendung und Begleitung Trost und Hoffnung schöpfen und mit ihrem „inneren Arzt“ Christus wieder in Berührung kommen. Spendung der SakramenteNeben der Begleitung im seelsorglichen Gespräch besteht auch das Angebot durch die Sakramente Buße, Eucharistie und Krankensalbung eine besondere Nähe zu Gott herzustellen. Für Menschen, die sich weit vom Glauben entfernt haben, ist es manchmal bereits hilfreich, wenn der Seelsorger ihnen anbietet, dass er in der Kapelle eine Kerze für sie anzünden oder für sie beten wird. Oftmals ist auch gemeinsames Gebet am Krankenbett oder ein Segen möglich und wird als Bereicherung erfahren. Ansprechpartner für die MitarbeiterDie Krankenhausseelsorge ist auch Ansprechpartner für die Mitarbeiter. Die angespannte Finanzlage, besonders die Einführung von Fallpauschalen für jede Krankheit haben dazu geführt, dass ein enormer Leistungs- und Zeitdruck im Krankenhaus herrscht, der viele Ärzte und Schwestern aber auch Physiotherapeuten und Logopäden überfordert. Hier sind die Seelsorger oftmals als Gesprächspartner und Vermittler gefragt. Mitarbeit bei Fragen der Ethik im KrankenhausEin weiteres neues Aufgabenfeld ist die Mitarbeit bei ethischen Fallbesprechungen, die sich besonders durch den medizinischen Fortschritt ergeben. Konkret geht es dabei oftmals um die Frage, ob weitere medizinische Behandlungsmaßnahmen weggelassen werden sollen, damit der Patient in Frieden sterben kann, oder wie der Wille des Patienten z.B. durch eine Patientenverfügung angemessen berücksichtigt werden kann. Auch Fragen der Gerechtigkeit und der medizinischen Versorgung von armen und alten Patienten spielen eine immer größere Rolle. Hier haben die Klinikseelsorger die Aufgabe, das christliche Menschenbild in das moderne Krankenhaus einzubringen. Ein erfüllender BerufObwohl die alltägliche Arbeit im Krankenhaus belastend sein kann, wird diese seelsorgliche Tätigkeit als sehr erfüllend und spirituell bereichernd erlebt. Im Bistum Augsburg gibt es bereits mehr als 60 Priester, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten, aber auch hauptamtliche Diakone und Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten, die in über 40 Kliniken tätig sind. Als Voraussetzung für diesen Dienst ist nach der Berufseinführung und mehreren Jahren in der praktischen Seelsorge ein klinischer Seelsorgeausbildungskurs (KSA-Kurs) erforderlich, der in verschiedenen KSA-Instituten in Deutschland angeboten wird und in der Regel 6 Wochen dauert. Wer Krankenhausseelsorger werden möchte, sollte eine psychisch stabile Persönlichkeit besitzen, bereit sein, sich mit seiner eigenen Lebensgeschichte auseinander zu setzen und sein eigenes Glaubensleben zu reflektieren. Dann ist die Krankenhausseelsorge ein erfüllender und schöner kirchlicher Beruf.
|

