80 Jahre Gebetsgemeinschaft für Geistliche Berufe

Wallfahrt nach Altötting und Begegnung mit Papst Benedikt XVI.

von Kornelia A. Lüttmann, Freiburg

Vor 80 Jahren, am 12. Juni 1926, wurde das „Frauenhilfswerk für Priesterberufe“ auf Initiative von Prinzessin Maria Immaculata, Herzogin zu Sachsen, in Freiburg gegründet. Aus dieser Gründung ging eine weltweite Gebetsgemeinschaft, das Päpstliche Werk für Geistliche Berufe (PWB), hervor.

Die Gebetsgemeinschaft PWB ist eine offene Gebetsinitiative, die zum Gebet um geistliche Berufe einlädt. Einzeln, zu Hause oder in kleinen Gebetskreisen in der Kirche beten die Mitglieder um Berufungen für die Kirche. Sie unterstützen die Bemühungen um geistliche Berufe, wollen aber auch das Berufungsbewusstsein in allen Christen stärken.

Zur Feier des Gründungsjubiläums organisierte das Zentrum für Berufungspastoral, die Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz für die Pastoral der geistlichen Berufe und kirchlichen Dienste, im Zusammenhang mit dem Besuch des Heiligen Vaters, Papst Benedikt XVI., in Deutschland eine Wallfahrt nach Altötting. 700 Mitglieder des PWB aus verschiedenen Diözesen waren am 11. September nicht nur zum Gottesdienst auf dem Kapellplatz eingeladen, sondern auch zur Vesper mit dem Heiligen Vater in der Basilika St. Anna.

„Das war ein schöner Tag, ein Fest des Glaubens.“ So hat PWB-Mitglied Thekla Heiß aus Pollenfeld den Montag in Altötting erlebt. „Es war ein großartiges Erlebnis“, sagt auch Christin Fuchs aus Waldkirchen, die mit ihrem Mann und vier Kindern angereist war. Wie viele Pilgerinnen und Pilger hatten sie große Strapazen auf sich genommen, um an der Wallfahrt teilzunehmen. In aller Herrgottsfrühe waren sie aufgebrochen, haben Schlange gestanden, um sich durch die Sicherheitskontrollen schleusen zu lassen. Dann haben sie sich langsam auf den Kapellplatz geschoben, wo die Menschen schon dicht gedrängt standen.

„Erst sah es so aus, als ob wir nicht mehr auf den Platz kommen“, erzählt Christin Fuchs, „doch dann wurden wir Stück um Stück weiter geschoben.“ Von morgens acht bis mittags um eins stand sie mit ihrer Familie im dichten Gedränge. Aber alle Anstrengungen waren vergessen, als der Papst in ihrer unmittelbaren Nähe vorbei ging.

Die lange Wartezeit bis zur Ankunft des Papstes wurde durch ein abwechslungsreiches Vorprogramm überbrückt. Mit Gebeten und Liedern bereitete sich die Menge auf den Gottesdienst vor. Großen Anklang fanden auch die Glaubenszeugnisse junger engagierter Christen und die Erläuterungen zur Geschichte des Wallfahrtsortes Altötting.

Die Begeisterung auf dem Platz war groß, als sich der Papst in seinem Papamobil endlich dem Kapellplatz näherte. Auf gro-ßen Leinwänden konnten alle mitverfolgen, wie der Papst die Gnadenkapelle betrat und in der neuen Anbetungskapelle niederkniete. Besonders schön aber waren die Momente, in denen der Heilige Vater auf die Menschen zuging und Hände schüttelte. Die Pilger waren vor allem von seiner Ausstrahlung begeistert. „Papst Benedikt strahlt Liebe, Güte und Barmherzigkeit aus“, findet Ludwig Alberter, der seit vielen Jahren in der Gebetsgemeinschaft aktiv ist. Und Thekla Heiß ergänzt: „Von ihm geht eine ansteckende Freude am Glauben aus.“

Der Höhepunkt für die 700 Pilger des PWB war die Teilnahme an der Vesper in St. Anna. Dicht gedrängt saßen und standen sie auf der Empore, um mit dem Heiligen Vater zu beten und seine Ansprache zu hören: Wir sind hier am Gnadenort Altötting in der Basilika der heiligen Anna gegenüber dem Heiligtum ihrer Tochter, der Mutter des Herrn, versammelt - Seminaristen auf dem Weg zum Priestertum, Priester, Ordensleute, Mitglieder des Werkes für geistliche Berufe -, um nach unserer Berufung für den Dienst Jesu Christi zu fragen und bei der heiligen Anna, in deren Haus die größte Berufung der Heilsgeschichte gereift ist, unsere Berufung zu erlernen. Die PWB-Mitglieder waren begeistert, dass Papst Benedikt XVI. die Gebetsgemeinschaft eigens nannte. Seine Worte gingen den Pilgern zu Herzen. „Er ist ein so hochintelligenter und gebildeter Mann“, stellt Thekla Heiß fest, „aber er kann so zu den Menschen sprechen, dass ihn auch einfache Menschen verstehen.“

Der Höhepunkt für die 700 Pilger des PWB war die Teilnahme an der Vesper in St. Anna. Dicht gedrängt saßen und standen sie auf der Empore, um mit dem Heiligen Vater zu beten und seine Ansprache zu hören: Wir sind hier am Gnadenort Altötting in der Basilika der heiligen Anna gegenüber dem Heiligtum ihrer Tochter, der Mutter des Herrn, versammelt - Seminaristen auf dem Weg zum Priestertum, Priester, Ordensleute, Mitglieder des Werkes für geistliche Berufe -, um nach unserer Berufung für den Dienst Jesu Christi zu fragen und bei der heiligen Anna, in deren Haus die größte Berufung der Heilsgeschichte gereift ist, unsere Berufung zu erlernen. Die PWB-Mitglieder waren begeistert, dass Papst Benedikt XVI. die Gebetsgemeinschaft eigens nannte. Seine Worte gingen den Pilgern zu Herzen. „Er ist ein so hochintelligenter und gebildeter Mann“, stellt Thekla Heiß fest, „aber er kann so zu den Menschen sprechen, dass ihn auch einfache Menschen verstehen.“

Papst Benedikt stellte das Anliegen der Gebetsgemeinschaft in den Mittelpunkt der feierlichen Vesper: Wir wissen, der Herr sucht Arbeiter für seine Ernte. Er selber hat es gesagt: „Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet daher den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9, 37f). Dazu haben wir uns hier versammelt, diese Bitte zum Herrn der Ernte hinaufzuschicken.

Und er machte deutlich, dass sich die Frage der Berufung an einen jeden einzelnen richtet: Mit jedem von uns hat der Herr seinen Plan; ein jeder wird von ihm bei seinem Namen gerufen. So ist unser Auftrag, hörend zu werden, fähig, seinen Anruf zu vernehmen, mutig und treu zu werden, damit wir ihm folgen und am Schluss als zuverlässige Knechte befunden werden, die recht mit der anvertrauten Gabe gewirkt haben.

Mit klaren, schlichten Worten benannte der Heilige Vater, was den Kern der priesterlichen Sendung ausmacht und was analog auch für Ordensleute zutrifft: Bei ihm sein und als Gesandter auf dem Weg zu den Menschen – das gehört zusammen und bildet zusammen das Wesen des geistlichen Berufs. Und er beantwortet auch die Frage, wie das geht, bei ihm sein: Die Feier der Heiligen Messe, das Stundengebet und die Eucharistische Anbetung seien die wesentlichsten Weisen des Seins bei ihm.

Gegen Ende der Ansprache nahm Papst Benedikt noch einmal die Weite der Berufungen in den Blick und unterstrich die Bedeutung der Familie: Hier in dieser Basilika denken wir dabei an Maria, die ganz im Mitsein mit Jesus lebte und deshalb auch ganz für die Menschen da war und es bis heute ist: Die Votivtafeln zeigen es uns ganz praktisch. Und wir denken an die heilige Mutter Anna. So denken wir auch an die Bedeutung der Mütter und der Väter, der Großmütter und der Großväter, an die Bedeutung der Familie als Raum des Lebens und des Betens, in dem Beten gelernt wird und Berufungen reifen können.

Die Teilnehmer der PWB-Wallfahrt waren sich einig, dass die Vesper eine großartige Erfahrung war. „Es war besonders schön, dass in der Basilika Priester, Ordensleute und Laien gemeinsam um Berufungen gebetet haben“ findet Barbara Bonauer aus Passau. Sie fühlt sich durch das Erlebnis gestärkt: „PWB-Mitglieder aus verschienen Diözesen sind zusammengekommen und haben zum Teil einen weiten Weg zurückgelegt. Eine gute Vernetzung ist notwendig und das Miteinander war wohltuend.“

Diese Erfahrung hat auch Familie Fuchs gemacht. Christin Fuchs hat mit ihrem Mann und ihren Kindern schon früh in der Basilika gesessen. Während des langen Wartens kam sie mit anderen PWB-Mitgliedern ins Gespräch. Sie tauschten Erfahrungen aus, erzählten sich von ihren Aktivitäten in der Gebetsgemeinschaft, von Gebetskreisen und Rosenkranzgebeten. Auch für sie war die Vesper eine außergewöhnliche Erfahrung. An ihrem Platz weit vorn auf der Empore waren sie dem Heiligen Vater sehr nah. Ihre Kinder Alois, Rafael, Edith und Natanael waren restlos glücklich, als der Papst zu ihnen hoch lächelte und ihnen zuwinkte.

„Es war ein Erlebnis, von dem wir noch oft reden“, erklärt Rosemarie Hartl im Rückblick auf den Tag in Altötting. „Der Papst hat uns begeistert. Die Gemeinschaft so vieler PWB-Mitglieder zu erleben war wichtig für uns und hat uns auch als Gebetsgemeinschaft gestärkt.“

button(1/07, S.16-17)

 

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