Learning by doing

Fachliche Begleitung

"Fahr' mal schnell auf die SPD-Pressekonferenz, zu Scientology und nimm auf dem Rückweg noch die Tagung des Kinderschutzbundes mit. Termine, Termine

Als Volontärin bei KNA sammle ich Fahrradkilometer. Zurück in der Redaktion gilt es, die oft komplexen Veranstaltungen und einen Berg von Papiermaterial in Meldungen zusammenzufassen. Kurz, präzise, objektiv sollen die sein.

Ein Volontariat bei KNA: Das ist "Learning by doing". Aber nie einfach so ins Blaue hinein. Jeder von einem "Volo" produzierte Text wird nämlich ausführlich von einem Redakteur redigiert. Mit unermüdlicher Geduld trichtern die alten Hasen den Greenhörnern das Handwerk des Nachrichtenschreibens ein. Erst wenn dieses "Schwarzbrot des Journalismus" aus dem Eff-eff sitzt, ist die Kür erlaubt: Reportagen, Korrespondentenberichte, Interviews oder gar mehrseitige Wochenbeilagen.

Alle journalistischen Sparten

Um alle journalistischen Spielarten und Sparten kennenzulernen, durchlaufen die Volontäre während der zweijährigen Ausbildung alle Ressorts des Hauses: Inland, Ausland, Informationsdienst und "Weltkirche aktuell" (WKA). In den drei erstgenannten dominiert das Seriöse: Soziales, Kirche, Entwicklungs- und Familienpolitik heißen die Hauptfelder. In der WKA geht's schon mal bunter zu mit kuriosen Portraits oder Lifestyle-Themen von Bachblüten bis Ehevermittlung. Da sind Kreativität und eigene Ideen immer gefragt. Und wer es noch flippiger mag, kann während des Volontariats im KNA-Rundfunk das Radiomachen üben: Straßenumfragen schneiden und Beiträge basteln über "Küssen in der Kirche" oder Aufklärungsbücher für Kleinkinder.

Zu den Ressorts in der Bonner Zentrale kommt ein halbjähriger Aufenthalt in einer der bundesweit sieben Landesredaktionen. Ich entschied mich für einen Ausflug in den Osten der Republik und habe zur Zeit für ein paar Monate meine Koffer in Berlin.

Theoretische Ausbildung

So geraten die 24 Monate zu regelrechten Wanderjahren. Denn zu der KNA-Ausbildung kommen die überbetriebliche Ausbildung durch das publizistische Institut und zwei auswärtige Praktika von insgesamt dreimonatiger Dauer wahlweise bei Tageszeitungen, Rundfunk- oder Fernsehanstalten. In den vier mal zweiwöchigen Kursen in München, Salzburg, Ludwigshafen und Augsburg wird uns zwölf Volos aus einem Jahrgang durch Referenten aus der Praxis eine theoretische Allround-Grundausbildung verpaßt. Gerade bin ich von meinem Volontärsfernsehkurs im Studio Ludwigshafen zurückgekehrt. Davor lagen fünf Wochen Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung in München.

Arbeitszeit und "Lehrlingsgehalt"

Langeweile kommt also nie auf. Und kein Tag ist wie der andere. Das kann ich bei Halbzeit nach einem sehr intensiven, lehrreichen und rundum spannenden ersten Jahr als Volontärin sagen. Und auch wenn es manchmal stressig wird – verheizt wird keiner. 40 Stunden pro Woche sind der Richtwert und die KNA-Ausbilder achten peinlich genau darauf, daß es für die Volontäre nicht mehr wird. Und auch mit dem Zeitdruck, den das schnelle Nachrichtengeschäft mit sich bringt, lernt sich umgehen. Mittlerweile gibt er mir sogar den nötigen Kick, um knackig auf den Punkt zu formulieren. Wichtig ist nur das sichere Gefühl im Hinterkopf. Wenn's mal nicht hinhaut, ist das halb so wild. In der Lehre sind Fehler nämlich erlaubt. Ach ja. Auch mit dem "Lehrlingsgehalt" von 2.800 DM brutto (1. 800 netto) läßt es sich nach elf Semestern als Studentin mit ziemlich leerem Portemonnaie geradezu fürstlich leben.

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