Der Glaube macht den Unterschied

Medienarbeiter statt Medienstar

Traumberuf gesucht? Ende der neunziger Jahre ist das nicht mehr Stewardess, Model oder Rennfahrer, sondern Medienstar. Eine Mischung aus Thommy Gottschalk und Ray Cokes, aus Arabella Kiesbauer und Sabine Christiansen. Für Otto Normalverbraucher und Angela Alltag wird das ein Traum bleiben.

Und das ist auch nicht so schlimm, denn die meisten Bundesligastars, Lokomotivführer und Astronauten aus Kindertagen finden sich im Berufsleben als zufriedene Angestellte, Kaufleute oder Handwerker wieder. Wie wäre es also mit einem lebensnahen Kompromiß? Medienarbeiter statt Medienstar. Weniger glamourös, dafür aber realistisch. Und was ist Erwachsenwerden anderes als die mühsame Suche nach dem Mittelweg zwischen himmelhochjauchzend und grabtief deprimiert?

Kurzum: Gute Journalisten braucht das Land. Und Journalistinnen. Solche zum Beispiel, die aus ihrem Glauben nicht nur keinen Hehl machen, sondern ihn im Arbeitsalltag integrieren. Mag sein, daß der Begriff "kirchlicher Journalismus" gestrig klingt. Oder muffig. Oder abgestanden. Wie wäre es, ihn mit neuem Inhalt zu füllen?

Souveräne Gelassenheit im Glauben

Phantasien sind machbar, Herr Nachbar. Zum Beispiel diese: Da gibt es einen Journalisten, der kirchliche Sendungen im Radio gestaltet. Er führt Interviews, lädt Autoren ein, schreibt selbst Beiträge, regt Diskussionen an und führt sie, er moderiert Streitgespräche, kurzum: Er schöpft aus der ganzen Fülle journalistischen Handwerks mit einem Ziel: Kirchliche Sendungen zu präsentieren, die alle Qualitäten modernen Radios haben und doch mehr. Dieses mehr ist unverzichtbar, wenn seine Sendungen sich unterscheiden sollen von allem anderen, was aus dem Radio tönt: Weder Frömmelei noch Heuchelei sind gefragt. Entstanden weder mit dem Gebetbuch unterm Arm noch mit dem missionarischen Zeigefinger als Arbeitsgerät. Sondern ausgestattet mit einer Eigenschaft, die ich souveräne Gelassenheit im Glauben nenne. Das bedeutet: Keine Entschuldigung dafür, daß sich die Beiträge aus einer Grundhaltung speisen, die säkularen Sendungen fehlt. Bitte keine Scham, wenn die Themen auch mal jenseits des Irdisch-allzu Irdischen liegen. Nicht kleinmütig den Umweg in Politik, Soziologie und Anthropologie wählen. Sondern souverän sein. Und gelassen. Im festen Vertrauen darauf, daß einer, der wirklich frohe Botschaft verkündet, unmöglich auf taube Ohren stoßen kann. Verboten ist nur eins: sich anzubiedern. Den Absender zu verschweigen. Anbiederer sind nämlich keine Biedermänner. Schon eher Brandstifter.

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